Infos für Fachleute

Darstellung solimed – Unternehmen Gesundheit

Meilensteine

2004 wurde solimed, ärztliches Qualitätsnetz Solingen e.V. gegründet mit dem Ziel einer effektiveren und solidarischen Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten. Dazu wurde der sogenannte Patientenbegleitbrief eingeführt über den wichtige Informationen wie Allergien, Diagnosen, Medikamente, Blutverdünnung etc. ausgetauscht wurden. Dieser Verein hat mittlerweile 145 ärztliche Mitglieder. Ein weiterer Erfolg des Ärztenetzes wurde der solimed Überleitungsvertrag. Dieser Vertrag wurde mit allen 3 Solinger Kliniken vereinbart und verpflichtet die niedergelassenen Ärzte zu einer strukturierten Einweisung ihrer Patienten, die Mitgabe des Patientenbegleitbriefes und zum Beispiel von Röntgenbildern. Die Kliniken verpflichten sich ihrerseits zu einer Ankündigung der Entlassung eines Patienten aus der stationären Behandlung per Fax an den weiterbehandelnden Arzt, die sofortige Brief-/Berichtsmitgabe und Hinweise zur weiteren Behandlung/Pflege und ggf. weiterer erforderlicher medizinischer Maßnahmen. 2006 wurde die solimed Gesundheitsakademie mit Informationsveranstaltungen für die Solinger Bevölkerung gegründet, die in Kooperation mit der Bergischen VHS Solingen- Wuppertal organisiert wird. Der Name solimed entstand aus einem Wortspiel und wurde aus den Worten Solingen, Solidarität und Medizin zusammengefügt.

Um mehr Bürgernähe zu schaffen und medizinische Hilfsstrukturen in der Region auszubauen wurde das „solimed Medi-Mobil“ mit der Wuppertaler Tafel etabliert. An 3 Werktagen in der Woche ist das Medi-Mobil in Wuppertal, Solingen und Remscheid mit einem Fahrer, dem Arzt und einer Krankenschwester/Arzthelferin unterwegs. Auf das Medi- Mobil warten vor allem Menschen, die aufgrund von Minderwertigkeitsgefühlen, Berührungsängsten im Wartezimmer und Schamgefühl nicht in eine Arztpraxis gehen, solimed leistet hier medizinische Hilfe. 20 solimed-Ärzte leisten diesen Dienst ehrenamtlich und fahren regelmäßig zu den bekannten Plätzen, an denen sich Obdachlose häufig in Solingen aufhalten.

solimed – Unternehmen Gesundheit GmbH & Co. KG

Mit dem Ziel der Schaffung einer neuartigen und schlagkräftigen Organisationsstruktur im Gesundheitswesen wurde 2007 solimed – Unternehmen Gesundheit GmbH & Co. KG gegründet. Mittlerweile sind 75 niedergelassene Ärzte in Solingen und die 3 Solinger Kliniken Gesellschafter.

Die zukünftige Grundlage für neue Modelle der medizinischen Versorgung wird unserer Einschätzung nach die vollständige elektronische Vernetzung der Akteure sein. Durch die Optimierung der Kommunikation und des Informationsaustausches lassen sich die Behandlungsqualität steigern, unerwünschte Nachteile in der Patientenversorgung vermindern und ökonomische Effizienzen erzielen, an denen alle profitieren.

So haben wir uns Mitte 2007 für die Netzsoftware comdox mit Isynet/MCS entschieden und innerhalb von 3 Monaten alle Praxen auf dieses EDV-System umgestellt. Seit Januar 2008 läuft der automatisierte Netzbetrieb in Solingen, nur kurze Zeit später konnten auch die 3 Solinger Kliniken (K-plus Verbund mit der St.-Lukas-Klinik, das Krankenhaus Bethanien und das Städtische Klinikum Solingen) eingebunden werden. Nach diesem Kraftakt und Investitionskosten von ca. 700 000 Euro können nun die Ärzte in Praxis und Klinik Informationen und medizinische Daten elektronisch austauschen.

solimed nutzt eine dezentrale, arztgeführte Patientenakte. Dies erleichtert auch älteren Menschen den Zugang, da sie z.B. bei der Einschreibung keine PIN Nummer eingeben müssen. Der administrative Aufwand für die Patienten ist gering und somit ein ideales und leicht praktikables Angebot einer elektronischen Patientenakte. Grundlage für formale und datenschutzrechtliche Sicherheitsmaßnahmen ist die Krankenkassenversicherungskarte, die der Patient i.d.R. mit sich führt, sowie die Einverständniserklärung des Patienten zur Teilnahme als Netzpatient. Es liegen die medizinischen Daten in den vom Patienten aufgesuchten Praxen unmittelbar vor, da die Praxis sich nicht erst auf einem Server einloggen muss. Das System der Firma MCS/Medatixx hat sich seit Beginn der Einführung auch im Alltag hervorragend bewährt.

IV Verträge nach §§ 140a ff. SGB V

Aufbauend auf diese EDV Grundstruktur wurden Mitte 2007 bis Ende 2008 von den Vertragspartnern solimed, Hanswerner Voss, Managing Partner GCN-HealthNet aus Landshut, AOK Rheinland/Hamburg und Barmer in NRW erstmalig Integrationsmodelle zur Vollversorgung entwickelt. Sämtliche bis dahin abgeschlossenen IV-Verträge in NRW waren indikationsbezogen wodurch nur ein schmales Spektrum der medizinischen Versorgung der Bevölkerung erfasst wurde.

Neben klaren Strukturen und Regeln zur Prozessqualität wurden für das Vollversorgungsmodell erste solimed Behandlungspfade erarbeitet. Diese bauen auf den Leitlinien der Fachgesellschaften bzw. auf den Empfehlungen der DMP auf und legen die Verantwortlichkeiten für die Ärzte in Praxis und Klinik verbindlich fest. Ferner definieren sie die Schnittstellen zwischen Haus- und Facharzt sowie Klinikarzt hinsichtlich Art und Umfang der Behandlung, Zeitrahmen und Verpflichtungen zur Kommunikation. Darüber hinaus werden Qualitätsindikatoren vorgeschlagen, über die die medizinische, aber auch die Prozessqualität gemessen werden kann. Die Behandlungspfade leben vor allem von der Akzeptanz der Netzärzte. Daher werden sie von niedergelassenen Ärzten und Klinikärzten gemeinsam erarbeitet, mit den Gesellschaftern und den Kassen beraten und letztlich verabschiedet. Die Implementierung in die Praxen erfolgt über Qualitätszirkel für die Netzärzte und Praxisfortbildungen für die Arzthelferinnen.

Die AOK Rheinland/Hamburg und die Barmer haben die Kompetenz und Kapazität besessen, mit uns gemeinsam ein Modell der Vollversorgung populationsbezogen auf der Basis eines Vertrages nach §§ 140a ff. SGB V zu erarbeiten. Diese beiden Verträge ermöglichen solimed Einnahmen, die Teile der Investitionen decken. Langfristig will sich das Netz aus diesen Verträgen finanzieren. Spätestens ab 2010 sollen die Einnahmen auch weitere Entwicklungs- und Aufbauarbeiten ermöglichen.

Mit der AOK Rheinland/Hamburg wurde ein IV Vertrag nach §§ 140a ff. SGB V abgeschlossen, der über eine Phase der reinen Kostenbetrachtung und Analyse von evtl. Schwachstellen über ein sog. virtuelles Budget letztlich zu einem Kapitation Modell führen soll/kann. Dabei werden alle Kostenbereiche der medizinischen Versorgung erfasst und in die Kalkulation einbezogen. Erzielte Effizienzeffekte werden an das Netz ausgeschüttet. Der Vertrag mit der Barmer beinhaltet ein verbessertes Präventionsangebot sowie strukturelle Maßnahmen zur Verbesserung der Pharmakotherapie. Die medikamentöse Behandlung soll besser abgestimmt werden. Dies erfolgt insbes. durch einen intensiveren Datenaustausch zur verordneten Medikation, bekannten Diagnosen, Allergien und strukturierte, sektorübergreifende Empfehlungen zur Pharmakotherapie. Die Barmer honoriert diesen Mehraufwand durch eine sogenannte Betreuungspauschale zur Pharmakotherapie, sowie eine Beteiligung von solimed an eventuellen Effizienzeffekten.